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Bilfinger BergerBilfinger Berger Magazin 2/2008

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Nachhaltigkeitsingenieurin Dr. Kati Herzog
Nachhaltigkeitsingenieurin Dr. Kati Herzog

Ressourceneffizienz

DR. KATI HERZOG IST BAUINGENIEURIN BEI BILFINGER BERGER HOCHBAU. NACHHALTIGKEIT IST IHR SPEZIALGEBIET.

Die Doktorarbeit von Bauingenieurin Kati Herzog beginnt mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen.“ Auf den folgenden 284 Seiten über „Lebenszykluskosten von Baukonstruktionen“ zählen dann die nackten Fakten, und die sind erstaunlich: Um die 80 Prozent der Kosten eines Gebäudes entstehen erst während der Nutzung – für Instandhaltung, Reinigung, Wasser und Abwasser, Strom und Heizenergie. Ein Haus möglichst billig zu planen, ohne auch die Folgekosten einzubeziehen, sei daher „nur eine suboptimale Lösung“, schreibt Kati Herzog mit der Nüchternheit der Ingenieurin.

ENERGIESCHLEUDERN WILL KEINER MIETEN
Man könnte es auch deutlicher sagen: Bei der Planung eines Gebäudes nicht den Ressourcenverbrauch im Betrieb zu berücksichtigen, ist eine geradezu sträfliche Verschwendung. Dies ist inzwischen nicht nur die Meinung des Gesetzgebers, der immer mehr Umwelt- und Energiesparvorgaben macht, sondern auch die des Marktes:„Nach der Umfrage eines amerikanischen Fachmagazins ist für 80 Prozent der Immobilienunternehmen Energieeffizienz der wichtigste Faktor bei der Objektauswahl“, sagt Kati Herzog. Auch bei Privateigentümern und Mietern ist das Thema angekommen: „Energie- und CO2-Schleudern sind in Zukunft schwer vermietbar oder sogar unverkäuflich.“
Die 33 Jahre alte Kati Herzog bezeichnet sich als Nachhaltigkeitsingenieurin. Im „Building Technology Center“ in Frankfurt, wo Bilfinger Berger seine Spezialkompetenzen im Hochbau bündelt, ist sie und ihr Team aus drei jungen Ingenieuren für Energieeffizienz und nachhaltige Gebäudeplanung zuständig. „Wir arbeiten sehr vernetzt mit den verschiedenen Einheiten in unserem Haus zusammen, etwa mit den Kollegen aus der Bauphysik, den Fassadenbauern und natürlich mit den Spezialisten für technische Gebäudeausrüstung“, erklärt Kati Herzog. Wenn ein Projekt gemeinsam geplant wird, sucht jeder zunächst die beste Lösung für sein eigenes Gewerk. Aufgabe von Kati Herzog ist es, die Lösungen „in einer Gesamtschau der Disziplinen“ so zusammenzuführen, dass das effizienteste Paket entsteht – was nicht selten Kompromisse zwischen verschiedenen Zielen der Nachhaltigkeit bedeutet.

GANZHEITLICHKEIT MUSS KOORDINIERT WERDEN
Ein einfaches Beispiel: Soziale Nachhaltigkeit beinhaltet, dass sich Menschen in einem Gebäude wohlfühlen, dass sie zum Beispiel die Raumtemperatur selbst regeln können.„Aber es ist nicht im Sinn der ökonomischen oder der ökologischen Nachhaltigkeit, wenn Mitarbeiter die Temperatur in ihrem Büro auf 30 Grad hochdrehen.“ Also braucht es ein Heizungssystem, das einen Kompromiss zwischen den verschiedenen Anliegen erlaubt – etwa über einen Regler, mit dem Nutzer die Zimmertemperatur wenigstens um einige Grad vom Standard ändern können.
„Je früher in der Planungsphase die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsideen zusammengeführt werden, desto besser kann ein Kunde beraten werden“, sagt Kati Herzog. Etwa von Fassaden abzusehen, die zwar schön anzusehen sind, aber die Klimatisierung eines Gebäudes teuer machen. „Wir stellen für unsere Kunden Modellrechnungen auf, die Investitionskosten, Betriebskosten und Faktoren wie Behaglichkeit oder Ästhetik in Beziehung setzen“, erklärt Herzog, „in unterschiedlichen Kombinationen und über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.“
Dass sich eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Planung lohnt, zeigt das neue Regionshaus Hannover. In dem Verwaltungsgebäude für rund 300 Mitarbeiter sorgt eine Betonteilaktivierung für angenehmes Raumklima im Sommer und im Winter:Durch Rohre in den Decken läuftWasser, das den Beton effizient kühlt oder erwärmt. Im Innenhof zapfen zwölf Sonden mit jeweils 70 Metern Länge die Erdwärme an. Eine vorbildliche Wärmedämmung und hochwertige Fenster garantieren niedrige Heizkosten. Die Region Hannover spart mit dem neuen Gebäude jährlich 350 000 Euro an Energie- und Unterhaltskosten.

INTERESSE AN NACHHALTIGEN GEBÄUDEN WÄCHST
Im Hochbau und bei Public-Private-Partnership-Modellen beschäftigt sich Bilfinger Berger seit Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit: Gebäude werden über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet, die späteren Betriebskosten schon bei der Planung mit berücksichtigt. Zunehmend schärfere Umweltvorschriften, steigende Energiekosten und neue Nachhaltigkeitszertifizierungen führen nun dazu, dass auch Immobiliengesellschaften und private Bauherren ganzheitlich zu kalkulieren beginnen.
Die Sachkenntnis von Kati Herzog ist deshalb zunehmend gefragt. Auf der Expo Real in München, einer der größten Immobilienmessen weltweit, stand sie im Oktober 2008 zwei Tage lang Rede und Antwort zu Sinn und Zweck nachhaltigen Bauens. „Wir müssen hin zu Lösungen, die auch mittel- und langfristig vernünftig sind“, erklärt sie immer wieder geduldig,„und weg vom kurzfristigen Denken.“ – Auch dieses Wort stammt von Saint-Exupéry: „Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung hegen, bald in ihrem Schatten zu ruhen.“

Text: Bernd Hauser, Foto: Karsten Schöne
Bilfinger Berger Magazin 2/2008