DIE CO2-ABSCHEIDUNG BEI KOHLEKRAFTWERKEN KÖNNTE ZUR KLIMASTABILISIERUNG BEITRAGEN. BILFINGER BERGER POWER SERVICES IST AN DEM PILOTPROJEKT SCHWARZE PUMPE BETEILIGT.
Im Sommer 2008 legte die Internationale Energieagentur (IEA) der in Japan tagenden G8 eine unbequeme Studie vor: Bei „gleichbleibender Politik“ sei bis 2050 mit einem Anstieg der CO2-Emissionen um 130 Prozent und einem damit verbundenen Temperaturanstieg um sechs Grad zu rechnen. Dabei, so die IEA, sei dies durchaus vermeidbar, wenn nur das technologische Potenzial besser ausgeschöpft werde.
Insbesondere die CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken werden dem Klima zu schaffen machen. Die IEA rechnet vor, dass 2030 der Kohleverbrauch noch um 65 Prozent höher liegen wird als heute – die neuen Wirtschaftsmächte China und Indien tragen am meisten dazu bei. Vor diesem Hintergrund beschäftigten sich Forschungsinstitute und Umweltverbände, Consultingunternehmen und die Energiewirtschaft mit der Frage, wie Emissionen aus der Kohleverbrennung verringert werden können.
Die meistdiskutierte Methode ist die CCSTechnik (Carbon Capture and Storage), mit der das bei der Kohleverbrennung anfallende Kohlendioxid abgeschieden, komprimiert und gelagert werden soll, statt es in die Atmosphäre zu entlassen. Eine der möglichen Verfahrensmethoden wird derzeit im Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz erprobt. 70 Millionen Euro hat der Energiekonzern Vattenfall in eine Pilotanlage gesteckt, in der Kohle im sogenannten Oxyfuelverfahren mit reinem Sauerstoff verbrannt wird. Bilfinger Berger Power Services ist an dem Projekt mit einer Entschwefelungsanlage beteiligt.
Mit Hilfe der Entschwefelungsanlage wird das bei der Kohleverbrennung entstehende Schwefeldioxid aus der Abluft herausgefiltert. Für das Pilotprojekt Schwarze Pumpe sind die Anforderungen besonders hoch, denn der Schwefelanteil muss zu nahezu 100 Prozent aus dem CO2-Strom abgespalten werden, damit das CO2 verdichtet, transportiert und schließlich gelagert werden kann.
TECHNOLOGIEFÜHRER
Bilfinger Berger Power Services ist einer der wenigen Anbieter, der die dafür notwendige Entschwefelungstechnik beherrscht: Das Unternehmen bestückt seine Anlagen mit speziellen Einbauten, sogenannten „Tray Absorbers“, die den extrem hohen Abscheidungsgrad ermöglichen. Gleichzeitig braucht das Verfahren erheblich weniger Energie als die Methoden der Konkurrenz. Beides sind Pluspunkte, die nun dem Pilotprojekt von Vattenfall zugute kommen.
Hauptsächlich gefragt ist das hochwirksame Entschwefelungsverfahren der Power Services bislang für den Neubau und die Sanierung traditioneller Kohlekraftwerke. Gerade stattet Bilfinger Berger den neuen Block des Kohlekraftwerks Boxberg damit aus, Hamburg-Moorburg wird folgen, und ein Auftrag aus Belgien liegt ebenfalls auf dem Tisch. Auch osteuropäische Länder zeigen zunehmend Interesse, denn dort müssen noch viele alte Kraftwerke saniert werden, um den europäischen Umweltschutznormen zu entsprechen. Der Markt für Spezialkompetenzen rund um den Umweltschutz ist riesig.
Während die richtige Entschwefelungsmethode für die CCS-Technik bereits gefunden ist, stehen viele andere Fragen noch im Raum, etwa die nach der Rentabilität. Boston Consulting legte im Juni 2008 eine Analyse vor, nach der sich für Kraftwerkbetreiber CCS nur dann rechnet, wenn die Tonne CO2 im Emissionshandel mit rund 45 Euro veranschlagt wird – derzeit liegt der Preis bei etwa der Hälfte. Dabei gibt es einen breiten Konsens, der von der Energiewirtschaft bis hin zu Umweltverbänden wie dem WWF reicht, dass die CCS-Technik in der Tat eine entscheidende Rolle beim Kampf gegen die Erderwärmung spielen könnte: Wenn sie möglichst schnell funktioniert und dann insbesondere im asiatischen Raum zum Einsatz kommt, wo der Kohleverbrauch drastisch steigt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Noch braucht der CO2-Abscheidungsprozess zu viel Energie, sichere unterirdische Lagerstätten müssen erst gefunden und Pipelines gebaut werden.
Mit der Pilotanlage Schwarze Pumpe ist der erste Schritt zur Erprobung der Technik getan. Bis 2015 soll eine erheblich größere Demonstrationsanlage entstehen.Wenn mit ihr der Nachweis der Wirtschaftlichkeit gelingt, ist ab 2020 der erste 1000-Megawatt- Block geplant. Frühestens ab 2030 wäre dann die CCS-Technik verfügbar.
GRUNDLAGENFORSCHUNG
Einstweilen wird Bilfinger Berger Power Services also hauptsächlich herkömmliche Kohlekraftwerke mit seiner speziellen Entschwefelungstechnik ausstatten. Die extrem hohe Schwefelabscheidung von fast 100 Prozent, die mit vergleichsweise geringem Energieaufwand funktioniert, ist schon für sich genommen eine kleine Revolution. Die Beteiligung am Pilotprojekt Schwarze Pumpe versteht das Unternehmen darüber hinaus als Beitrag zur Grundlagenforschung: für die Energieversorgung der kommenden Generation.
Text: Daniela Simpson
Bilfinger Berger Magazin 2/2008
