Bilfinger Berger Logo

Bilfinger BergerTechnik ist Zukunft

Inititative Technik ist Zukunft
Werbebanner "Ingenieure können das"

Nachwuchsnot – Vom Imageproblem der Ingenieure

Deutschland wird wieder zum Land der Dichter und Denker – eher unfreiwillig derzeit, denn junge Menschen studieren kaum mehr technische Fächer. Noch vor zehn Jahren wollte bald jeder Fünfte Ingenieur werden, heute sind es gerade noch 15 Prozent. Jura, Wirtschaft- und Sozialwissenschaften, sogar Sprach- und Kulturwissenschaften scheinen jungen Menschen aussichtsreicher als Ingenieurberufe.

VOM ÜBERANGEBOT ZUR UNTERVERSORGUNG
Das ist kein Wunder, denn jahrelang war von der „Ingenieurschwemme“ die Rede, dazu kam ein schwacher Arbeitsmarkt, insbesondere für Bau- und Maschinenbauingenieure. Folgerichtig nahmen Abiturienten Abstand von einem Berufswunsch, der keine Perspektiven zu haben schien und setzten in Gang, was die Arbeitsmarktforschung salopp mit „Schweinezyklus“ bezeichnet: dem Überangebot folgte die Unterversorgung. Mittlerweile suchen Unternehmen dringend Nachwuchs, denn auf 100 Ingenieure im Rentenalter kommen nur 90 Berufseinsteiger. 2007 schlug auch die Politik Alarm: Die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands sei in Gefahr, wenn nicht jährlich bis zu 12 000 Ingenieure mehr ausgebildet würden, stellte das Bildungsministerium fest. Besonders angespannt ist die Lage bei den Bauingenieuren: Im Vergleich zu 1997 ist die Anzahl der Absolventen um 21 Prozent zurückgegangen.

ZUM STUDIUM NACH DEUTSCHLAND
Dabei genießen deutsche Ingenieurstudiengänge auch international einen hervorragenden Ruf. Für kein anderes Fach kommen so viele Studierende nach Deutschland. Jeder fünfte Diplomand kommt aus dem Ausland, viele aus China.Weil die Integration schwierig und die Hürden für eine langfristige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis noch immer hoch sind, bleiben jedoch nur wenige. Es liegt auf der Hand, dass der Ingenieurnachwuchs für Deutschland in erster Linie aus dem Inland kommen muss. Die Lust auf technische Fächer sollte also bereits in der Schule angeregt werden. Doch gerade die wichtige Zielgruppe der Jugendlichen kurz vor der Studien- und Berufswahl wurde in den letzten Jahren zunehmend vernachlässigt. Gymnasiasten zwischen 15 und 17 Jahren, so ergab eine Umfrage, halten Ingenieure für langweilig und detailversessen, für Büromuffel mit mäßigen Gehaltsaussichten. Dazu kommt, dass Physik, Chemie und Mathematik – gute Voraussetzungen für ein technisches Studium – als schwierig gelten und gerne abgewählt werden, um den Abiturschnitt nicht zu gefährden. Eltern und Lehrer vermitteln nur wenig Interesse an Ingenieurstudiengängen. Der Grund scheint zu sein, dass sich das Berufsbild in den letzten Jahrzehnten so radikal gewandelt hat, dass es vielen Erwachsenen ein Buch mit sieben Siegeln ist. Auch kämpfen weiterführende Schulen mit eigenen Problemen: dem Druck durch das schwache Abschneiden bei Pisa, der zunehmenden Lehrplandichte durch das neue achtjährige Gymnasium. Um sich für Inhalte zu engagieren, die nicht direkt mit den Unterrichtsfächern verknüpft sind, bleibt kaum noch Zeit und Kraft.

TECHNIK IST ZUKUNFT
Genau hier will die Initiative „Technik ist Zukunft“ ansetzen und Lehrer, Eltern und Heranwachsende für das Berufsbild des Ingenieurs interessieren. Gemeinsam mit Voith und der Deutschen Bahn hat Bilfinger Berger die Initiative als gemeinnützige GmbH ins Leben gerufen. In den nächsten Monaten wollen die Gründungsmitglieder weitere Unternehmen werben, die bereit sind, sich gemeinsam und langfristig für die Nachwuchsförderung in Schulen zu engagieren. Mit Liebherr, Kärcher und Herrenknecht wurden bereits die ersten gefunden. Zunächst sind Anzeigen in Schülerzeitungen und eine Website geplant.Weitere Aktivitäten sollen folgen.

GUTE AUSSICHTEN
Der Arbeitsmarkt für Ingenieure sei auf die nächsten Jahre hin „sehr gut“, so Beate Raabe von der Bundesagentur für Arbeit (BfA). Die Entwicklungsmöglichkeiten sind vielfältig, Kreativität und Teamgeist besonders gefragt. Auch die Verdienstmöglichkeiten sind zunehmend reizvoll. Umso wichtiger ist es, Jugendlichen den Blick auf ein Berufsfeld zu ermöglichen, das im Rahmen des traditionellen Unterrichts nicht vorkommt. Umgekehrt kann auch die Schule von der Begegnung mit der Arbeitswelt profitieren, denn wie oft müssen sich Mathematik- und Physiklehrer fragen lassen, wozu sie ihre Schüler mit hochkomplexen Formeln quälen? Könnten sie vor Augen führen, dass Ingenieure mit diesem Wissen die Welt bewegen, hätten sie möglicherweise einen Stein im Brett.

(Text: Daniela Simpson)