

„Fällt einem nichts mehr ein, spricht man von nachhaltiger Entwicklung.“ Wenn Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Chef der UN-Umweltorganisation und Vorkämpfer für Nachhaltigkeit, dies sagt, richtet sich seine Kritik gegen die Verwässerung des Begriffs.
Seit dem Erdgipfel in Rio im Jahr 1992, als sich die Vereinten Nationen darauf einigten, „mit Rücksicht auf kommende Generationen zu wirtschaften“, dient er immer häufiger dem ‚Green washing‘, also dem vordergründigen Ziel, sich ein grünes Mäntelchen umzuhängen. So inflationär ist der Gebrauch des Wortes, dass es in der Alltagssprache seine eigentliche Bedeutung verloren hat: Wenn ein Fußballer ein gutes Spiel macht, heißt es in der Zeitung, er habe sich „nachhaltig für die Nationalmannschaft empfohlen“.
Die Achtung der Natur ist höchst ökonomisch
Man kann es aber auch positiv wenden: Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur ein Wort für Vordenker. Kinder malen in der Schule Bilder zum Klimawandel. Die ‚Lohas‘, Menschen, die dem ‚Lifestyle of Health and Sustainability‘ folgen, sind eine neue mächtige Konsumentengruppe, die Nachhaltigkeit fördern will, etwa indem sie auf Ökostrom umsteigt. Anleger investieren in Ethikfonds oder in Aktien von Unternehmen, die in hohem Maß soziale Verantwortung übernehmen.
Damit ist das Konzept dort angekommen, wo es Anfang des 18. Jahrhunderts seinen Ausgang nahm: bei der Einsicht, dass die Achtung der Natur und sozialer Belange höchst ökonomisch ist. Damals verschlang der Silberbergbau die Wälder Sachsens. Aber ohne Holz keine Grubenstollen, keine Schmelzöfen und keine Häuser, damit auch keine Lebensgrundlage für Menschen und Staat. Also schrieb Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann des Kurfürsten, ein grundlegendes Werk zur Forstwirtschaft mit der Forderung, „dass es eine continuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weil der Mensch nicht wider die Natur agiren kann”.