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Bilfinger BergerBilfinger Berger Magazin 1/2009

Küss mich …

PHILLIP VON SENFTLEBEN, 42, VERSPRICHT: WER SEINE SEMINARE BESUCHT, BLEIBT KEINE 14 TAGE UNGEKÜSST.

Herr von Senftleben, erinnern Sie sich an Ihren ersten Flirt?
Ja, ich war sechs Jahre alt und wollte von meiner Oma eine extra Portion Schokoladenpudding haben. Es hat geklappt.

Wie haben Sie das erreicht?
Mein Vater erzählt, ich hätte geflirtet, was das Zeug hält. Er prophezeite mir: Junge, du wirst mal Politiker oder Partytiger. In der Schule war es ähnlich, wenn ich mit den Lehrern um Noten gefeilscht habe: Mein Klassenlehrer meinte, ich werde Gebrauchtwagenhändler.

Sind Sie aber nicht. Wovon leben Sie?
Seit vier Jahren vermittle ich die Kunst des Flirtens in Radioprogrammen, Seminaren, Büchern. Ich bin Berufsflirter.

Mit wie vielen Frauen flirten Sie, wenn wir mal von einer 40-Stunden-Woche ausgehen?
Ich flirte rund um die Uhr mit jeder Frau, die mir begegnet. Im Bus, im Büro, per SMS, E-Mail oder am Telefon. Das ist meine Art zu kommunizieren, reine Routine.

Wie beginnen Sie einen Flirt, mit Small Talk?
Den hasse ich. Ein Gespräch muss Substanz haben. Nur so ist man im besten Sinne „merkwürdig“, also würdig, dass die andere sich einen merkt.

Gilt das nur für Frauen?
Auch für Geschäftspartner. Ich unterscheide zwischen dem romantischen Flirt und dem Business-Flirt. Ich habe Staubsaugervertreter in meinen Seminaren, Anwälte und Manager. Denn es geht immer um eine offene Kommunikation, bei der Empathie im Spiel ist. Und ums Verhandeln. Flirten ist eine permanente Verkaufssituation.

Wie funktioniert der romantische Flirt?
Es gibt fünf Regeln. Dazu gehören Mut, Aufrichtigkeit, individuelles Vorgehen, Humor und „die drei großen S“: Selbstreflexion, Selbstbewusstsein und Selbstironie. Wer sich entscheidet, Flirter zu werden, muss üben.

Und wie übt man zu flirten?
Ein simples Beispiel: auf der Straße nach – einander fünf Frauen nach dem Weg zum Bahnhof fragen. Stufe zwei: fünf Frauen zum Lachen bringen. Das gelingt am schnellsten über den Weg der Irritation. Ich frage zum Beispiel: Entschuldigung, wo will ich eigentlich hin? Nach zwei Sekunden lächelt sie.

Also geht es in erster Linie um Worte?
Alles zählt, aber Worte sind für mich tragend. Je sprachgewandter ich bin, desto besser. Mit Worten kann ich auch am Telefon und im Internet überzeugen. Üben Sie mit SMS-Texten, denn da muss man ökonomisch arbeiten.

Aber eher als mit SMS erobert man Herzen beim persönlichen Treffen?
Nicht unbedingt. SMS ist als Einstieg viel höflicher: Man erwartet keine sofortige Reaktion, man bedrängt nicht. Man spielt ein Spiel. Ein Machtspiel. Bekomme ich erst nach drei Stunden eine Antwort auf meine SMS, antworte ich auch erst nach drei Stunden. Übrigens sollte man beim SMS-Schreiben bedenken, dass man für ein Publikum formuliert. Frauen zeigen die SMS garantiert einer Freundin. Deshalb muss sie höflich und humorvoll sein – und originell. Also bitte kein „LG“ am Ende. Das ist fatal, weil langweilig.

Was setzt man an den Anfang und ans Ende?
Hat es beim ersten Date geregnet, kann man die Dame mit „Königin des Platzregens“ oder mit „Durchnässte Prinzessin“ anreden. Auch das Ende muss humorvoll und leicht daherkommen, unaufdringlich und voller Verheißungen. Prägnant ist immer: Adjektiv, Doppelpunkt, Name. Zum Beispiel „Angetan: Philip“.

Und wie findet man die richtigen Worte?
Ich unterscheide zwischen spitzen und stumpfen Worten. Spitze sind gut, weil sie eindeutig sind, zum Beispiel „neugierig“ oder „einfühlsam“. Stumpfe Worte sind austauschbar, wie „nett“ oder auch „schön“. Eine Grundregel ist: auf das Gesagte des Gegenübers reagieren, darauf eingehen, ohne ihm nach dem Munde zu reden. Denn nichts ist weniger sexy als unterwürfige Anpassung.

Wer Ihre Ratschläge befolgt, bleibt keine zwei Wochen ungeküsst, versprechen Sie. Gilt das auch für unscheinbare Menschen?
Ich selbst sehe nicht grade großartig aus. Aber den optischen Eindruck kann man überspielen. Ich musste das immer tun. Man muss auf anderer Ebene punkten: unterhaltsam sein, Vertrauen schaffen, zuhören können.

Was sollte man auf jeden Fall vermeiden?
Jammern und angeben. Das ist das Allerschlimmste.

Wird Ihnen das Flirten nicht manchmal langweilig?
Nein. Der Zauber ist jedes Mal neu, weil jeder Mensch etwas Großartiges an sich hat, das ich finden möchte. Letztendlich geht es mir um Liebe. Wenn man erfolgreich flirtet, kann Liebe entstehen.

Muss man unbedingt Ihre Bücher lesen, um Flirten zu lernen?
Sie können sich „Bettgeflüster“ mit Doris Day und Rock Hudson anschauen. Der Film ist fast fünfzig Jahre alt, aber in Bezug auf Flirttechniken genial gemacht, da stimmt alles. Das habe ich aufs Leben übertragen.

Wie kann eine Frau es mit Ihnen aushalten?
Haben Sie selbst die Liebe Ihres Lebens schon gefunden? Eine gemeine Frage. Ich möchte es mal so sagen: Es gibt Frauen in meinem Leben und es gibt Liebe in meinem Leben.

Interview: Uschi Entenmann, Illustration: Skizzomat
Bilfinger Berger Magazin 1/2009