FLEDERMAUSMENSCHEN
Etwa 300 Familien leben unter der Brücke der Circumferential Road 3 über den Fluss Navotas im gleichnamigen Stadtteil von Manila. Sie finden Unterschlupf in Verschlägen aus Blech, Pappe und Sperrholz, übereinander, nebeneinander, eingekeilt zwischen Brücke und Wasser. Mit Bambuspfählen, alten Seilen und Bohlen, die sie im Unterbau der Brücke verkeilen, krallen sich die Bewohner fest wie Fledermäuse an Höhlendecken. Deshalb werden sie auch so genannt: Fledermausmenschen.
Sie waren Tagelöhner auf dem Land, hofften auf ein besseres Leben in der Zwölf-Millionen-Metropole. Jetzt waschen sie Lastwagen, schleppen Fische auf dem Markt, sammeln Müll. Der Lohn reicht gerade für Essen, ein Stück Seife und Trinkwasser. Kaum jemand schafft den Aufstieg. Insgesamt sollen in der philippinischen Hauptstadt 150 000 Familien in ähnlichen Hängewohnungen an den zahlreichen Brücken über Kanäle und Flussarme leben. Einen Trost gebe es, scherzt Familienvater Carlos unter der Navotas-Brücke mit grimmigem Humor: „Unsere Brücke hat Millionen Dollar gekostet. Wir leben unter dem teuersten Dach der Welt.“
(Text, Fotos: Carsten Stormer)
Bilfinger Berger Magazin 2/2009

