Kultur- und Kur-Tour
Nicht von ungefähr führt die Schwäbische Bäderstraße neben einem wellenförmigen Wassersymbol auch einen Zwiebelturm im Logo: Der Landstrich vor den Alpen ist voller Bäder und Kirchen. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht warten neun Kurorte und Heilbäder mit Thermalbädern, Moorpackungen und Therapien auf. Die Bäderstraße, eine 180 Kilometer lange Route durch Oberschwaben und das nördliche Allgäu, ist eine Kur-Tour und eine Kultur-Tour. Ganz im Osten der Route schaut die Kirche „Patrona Bavariae“ einem erhobenen Zeigefinger gleich über den Horizont. Sie gehört zu Oberegg, einem Dorf wie viele in der Region: von satten Wiesen umgebene Häuser, die sich unter den Schutz des Gotteshauses ducken. Von hier stammt Johann Nepomuk Holzhey, einer der bedeutendsten Orgelbauer des süddeutschen Barock. Im 18. Jahrhundert baute er vierzig Instrumente für die Klöster und Kirchen im Voralpenland. Holzhey ist fast vergessen, aber von einem anderen Mann des Glaubens profitiert das Land bis heute: Sebastian Kneipp, dem „Wasser-Doktor“. Die Entwicklung seiner Therapien in Wörishofen Mitte des 19. Jahrhunderts war die Initialzündung für den Gesundheitstourismus auf der Schwäbischen Bäderstraße und begründete eines der bekanntesten Naturheilverfahren der Welt. Kneipp setzte nicht nur auf die Heilkraft des Wassers, sondern auch auf eine ausgewogene Ernährung und die Heilkraft von Pflanzen; die Allgäuer Kräuterwiesen waren ihm eine duftende Apotheke der Natur. Der Pfarrer war kein Freund des Exzesses: „Im Maß liegt die Ordnung, jedes Zuviel und jedes Zuwenig setzt anstelle von Gesundheit Krankheit.“ Wer an der Bäderstraße kurt, sollte das Auto auch mal stehen lassen. Wie lautet Kneipps Empfehlung? „Es ginge alles besser, wenn wir mehr gingen.“ (bh)
