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Bilfinger BergerAufklärung auf Augenhöhe

Gesundheitsfürsorge ist Arbeitgebersache
Reden statt schweigen: Die Gesundheitsexpertin bildet Fahrer in der AIDSAufklärung aus.
Reden statt schweigen: Die Gesundheitsexpertin bildet Fahrer in der AIDS Aufklärung aus.
Fahrer geben Gummi: Peer Education auf Achse bei Julius Berger in Nigeria.
Fahrer geben Gummi: Peer Education auf Achse bei Julius Berger in Nigeria.

Aufklärung auf Augenhöhe

In Nigeria wird über AIDS nicht gerne gesprochen. Deshalb setzt Julius Berger Nigeria PLC bei Aufklärung und Prävention insbesondere auf die Peer Education: Kollegen beraten Kollegen, wie AIDS vermieden werden kann. Im September 2006 lief das Programm für die besonders gefährdete Gruppe der Lastwagenfahrer an.

Wenn ein Mensch in seinen besten Jahren stirbt, sprechen die Angehörigen von „Blutkrebs“ oder „Lungenentzündung“. Das Wort mit den vier Buchstaben wird in Nigeria peinlich vermieden. Dabei sterben jährlich über 300 000 Nigerianer an dem Virus, das sich an keine Klassenschranken hält. 3,6 Millionen Menschen sollen infiziert sein – fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

„Überdurchschnittlich betroffen sind Männer, die beruflich viel unterwegs sind“, sagt Elisabeth Girrbach von der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Lastwagenfahrer und Geschäftsleute stecken sich auf Reisen häufig mit HIV an – und verbreiten das Virus weiter. Die GTZ ist privaten Unternehmen bei der Bekämpfung von AIDS behilflich, in Nigeria unterstützt sie die Nigerian Business Coalition against AIDS (NIBUCAA). Die Organisation ist ein Zusammenschluss von drei Dutzend Firmen, darunter Julius Berger Nigeria PLC (JBN), mit 16 500 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber des Landes. „Julius Berger ist eine der treibenden Kräfte in der Anti-AIDS-Koalition“, sagt Elisabeth Girrbach. Der Firmenzusammenschluss organisiert seinen Aufklärungskampf gegen AIDS von einem Büro in Lagos aus, das von JBN kostenlos zur Verfügung gestellt und logistisch unterstützt wird.

Abgesehen vom Engagement in der Dachorganisation führt JBN nun ein Präventions-Programm innerhalb des Unternehmens ein. Es beruht auf dem Konzept der Peer Education: Kollegen informieren Kollegen. „Studien in anderen afrikanischen Ländern haben gezeigt, dass diese Aufklärung auf Augenhöhe erfolgreicher ist als Info-Kampagnen durch Vorgesetzte, Lehrer oder Ärzte“, erklärt Dr.Martin Wilczek, Chief Medical Officer bei Julius Berger, wo sich landesweit zehn Firmenärzte um die kostenfreie medizinische Versorgung der Mitarbeiter kümmern.

Zunächst richtet sich das Programm an die besonders gefährdete Gruppe der etwa 500 Fernfahrer, die Material von den Häfen zu den im Land verstreuten Baustellen transportieren. „Als Erstes identifizieren wir Fahrer mit einem gewissen Charisma“, erklärt Hartmut Tolle, der das Projekt gemeinsam mit Martin Wilczek auf den Weg gebracht hat. „Sie werden dann als Trainer ausgebildet, um ihre Kollegen über die Krankheit und die Ansteckungswege aufklären zu können.“ Nach drei bis sechs Monaten Laufzeit wird das Programm, das im September 2006 mit der Ausbildung der ersten Trainer startete, evaluiert. „Wenn wir Erfolg haben und die Fahrer tatsächlich ihr Verhalten zu ändern beginnen, zum Beispiel Kondome benutzen, führen wir das Programm auf allen Betriebsstätten ein“, sagt Dr.Wilczek.

Die Fahrer, so Hartmut Tolle, werden ihr neues Wissen in die Heimatdörfer tragen. „Wer bei Julius Berger angestellt ist, hat ein gutes und regelmäßiges Einkommen und damit auch soziales Prestige – wir hoffen, dass unsere Leute dies nutzen, um auch mit ihren Freunden und Nachbarn über AIDS zu sprechen.“ „Nur so kann die Initiative über das Unternehmen hinaus in die Gesellschaft hineinwirken.“ Dies ist besonders wichtig, weil die Krankheit für die Betroffenen und ihre Familien unweigerlich in die Katastrophe führt: Nigeria ist noch immer ein Entwicklungsland, Gesundheits- und Sozialfürsorge sind kaum ausgebildet und bei AIDS gibt es kein Entrinnen.

Genau darum müsse man sich als Unternehmen besonders bei der Prävention engagieren, so Hartmut Tolle: durch Aufklärung, die Bereitstellung von Kondomen und kostenlose AIDS-Tests. In den vergangenen Jahren nutzten rund dreieinhalbtausend Angehörige von Julius Berger die Möglichkeit, sich einem Test zu unterziehen. Die Anzahl der positiven Proben war wie erwartet hoch. „Wir setzen sehr auf unser neues Programm zur Peer Education“, erklärt Martin Wilczek. „Die Leute müssen lernen: Ungeschützter Sex ist wahnsinnig gefährlich.“

(Text: Bernd Hauser, Fotos : Tony Azougu)