In Südspanien überbietet sich die Energiewirtschaft beim Bau großer Sonnenkraftwerke. Know-How von Bilfinger Berger trägt entscheidend zur Leistungsfähigkeit der neuen Solarthermieanlagen bei.
(Text: Tilman Wörtz, Fotos: Frank Schultze)
Eine Autofahrt über die staubigen Ebenen Andalusiens offenbart dem Reisenden die Zeichen eines neuen Zeitalters: Solarthermische Kraftwerke, die mit Hilfe von Sonnenenergie Strom produzieren. Schier endlos folgen Reihen haushoher Spiegel aufeinander.
Wer genauer hinsieht, erkennt Parabolrinnen. Sie bündeln die Strahlen der südspanischen Sonne, die nur ganz selten von Wolken verdunkelt wird. Genau in der Brennlinie der Rinnen verlaufen Röhren, in denen synthetisches Öl zirkuliert. Das erhitzte Thermo-Öl gibt seine Energie über einen Wärmetauscher an einen Wasserdampfkreislauf ab, der über eine Turbine einen Generator zur Stromgewinnung antreibt.
Die Sonne erhitzt das Thermo-Öl auf 400 Grad Celsius
Bilfinger Berger ist dafür verantwortlich, dass beim Transport von Öl und Dampf durch kilometerlange Leitungen so wenig Energie wie möglich verloren geht: Spezialisten des Konzerns sorgen für die lückenlose Isolierung von Rohren und Anlagenteilen. „Bei Tagestemperaturen von bis zu 40 Grad ist das ein harter Job“, sagt Projektleiter Jan van Asperen, der mit seinen Leuten bereits fünf Solarthermieanlagen in Spanien isoliert hat.
Das neue Kraftwerk Solnova in Andalusien besteht aus vier Blöcken mit einer Leistung von je 50 Megawatt, jedes Solarfeld erstreckt sich über eine Fläche so groß wie 70 Fußballplätze. Die dazugehörigen Leistungsnetze summieren sich auf über zehn Kilometer. Jedes Rohr muss sorgfältig mit Glaswolle eingepackt und anschließend mit Aluminium ummantelt werden, denn das Thermo-Öl wird auf bis zu 400 Grad Celsius aufgeheizt. Eine besondere Herausforderung ist die Wärmedämmung komplexer Anlagenteile wie beispielsweise der Wärmetauscher des Dampfkreislaufs.
Die Qualitätsansprüche sind hoch. Nur wenige Hersteller können das eingesetzte Isoliermaterial liefern. Das Drahtnetz, das die Glaswolle fest an das Rohr presst, ist galvanisiert und damit gegen Rost geschützt. „Es gibt Wettbewerber, die sparen sich diese Kosten. Wir wollen aber, dass die Isolierung auch nach Jahrzehnten nicht versagt“, erklärt der Projektleiter. Er weiß: „Auf lange Sicht zahlt sich Qualität in Folgeaufträgen aus.“
Auch in Nordafrika entstehen die ersten solarthermischen Kraftwerke
Der Solarboom macht Spanien zu einem chancenreichen Markt für die Isolierspezialisten von Bilfinger Berger. Dem Energieministerium liegen Anträge zum Bau von solarthermischen Kraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 4.300 Megawatt vor. Ein Drittel der Anlagen wurde bereits genehmigt. Der Wachstumsschub der Branche wird nicht zuletzt vom gesetzlich festgelegten Abnahmepreis für Solarstrom stimuliert – 25 Cent pro Kilowattstunde über 20 Jahre ist eine sichere Kalkulationsgrundlage. Die großen Akteure Acciona und Abengoa Solar schaffen weiter Fakten und bauen bereits in Nordafrika solarthermische Kraftwerke. Mit beiden Energiekonzernen arbeitet Bilfinger Berger schon seit Jahren zusammen. Abengoa Solar greift bei einer neuen Anlage in Algerien wieder auf die Spezialisten von Bilfinger Berger zurück. Jan van Asperen ist sich sicher: „Das Thema Solarthermie bleibt für uns noch lange heiß.“
Desertec – Strom aus der Sahara
Das Großprojekt Desertec hat zum Ziel, in der Sahara mit gigantischen Solarthermiekraftwerken Strom zu produzieren und in Fernleitungen einzuspeisen. Eine Fläche halb so groß wie die Schweiz könnte den Strombedarf der gesamten EU abdecken. Die jüngst von namhaften Unternehmen gegründete Planungsgesellschaft arbeitet daran, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Die technischen Lösungen, auch für den Stromtransport, sind mittlerweile vorhanden. Nun gilt es, die politischen Voraussetzungen für solch ein zukunftsweisendes Projekt zu schaffen.


